Geschichte im Dialog von Universität und Schule

Universität im Rathaus extra zur Forschungsfrage
"Wie wird man ein Volk?"

16.06.2009


Voll besetzte Reihen, viele junge Menschen im Publikum: Die Extraausgabe der Reihe "Universität im Rathaus" zur Frage "Wie wird man ein Volk?" am gestrigen Dienstagabend im Ratssaal des Mainzer Rathauses beschäftigte sich mit einer aktuellen Frage, die Deutschland auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung intensiv beschäftigt. In seiner Begrüßung nannte Universitätspräsident Professor Dr. Georg Krausch den Abend einen besonders wichtigen Baustein des "Treffpunkts der Wissenschaft" zum Thema "Zeit Reise" in Mainz. Die Universitätsstadt am Rhein ist eine von zehn deutschen Städten, die im Wissenschaftsjahr 2009 - "Forschungsexpedition Deutschland" - von der Robert Bosch Stiftung als ein "Treffpunkt der Wissenschaft" ausgewählt wurden.

Die Vielfalt der Perspektiven in der Podiumsdiskussion und anschließendem Publikumsgespräch erwies sich dabei als große Stärke des Programms: Die Mainzer Wissenschaftler Universitätsprofessor Dr. Jürgen Falter vom Institut für Politikwissenschaft und Universitätsprofessor Dr. Andreas Rödder vom Historischen Seminar beleuchteten gemeinsam mit der Zwölftklässlerin Nina Ritter aus Bad Sobernheim und dem ehemaligen Bad Kreuznacher Schüler Sebastian Wahl sowie mit Geschichtslehrerin Ines Eisenhut und dem Bundesvorsitzenden des Geschichtslehrerverbandes, Dr. Peter Lautzas, die Teilung Deutschlands, die Wende und die Wiedervereinigung. Die Moderation übernahm Dr. Ralph Erbar vom Landesverband Rheinland-Pfalz des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands.

"Die Einheit ist ein Stück deutsche Normalität geworden", sagte Professor Rödder in seinem ersten Beitrag. Und diese gute Nachricht zog sich - trotz aller kritischen Aspekte der Bestandsaufnahme - durch den gesamten Abend. Zwar sei der wirtschaftliche Aufschwung vor allem im Osten nicht gelungen, und beide Teile des Landes hätten in den vergangenen 20 Jahren nicht die Chance genutzt, mehr voneinander zu erfahren, so Rödder. "Die Ähnlichkeiten sind größer als die Unterschiede, das betrifft auch gewachsene Ähnlichkeiten wie die Bejahung der Demokratie", fasste Professor Falter die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zusammen. "Die Wiedervereinigung war eine immens große historische Leistung, auch wenn ihre Ausführung im Einzelnen vielleicht hätte besser sein können."

Die Bedeutung des Geschichtsunterrichts, um bei jungen Menschen ein Bewusstsein gerade für die jüngste Vergangenheit des Landes zu schaffen, hoben Nina Ritter und Sebastian Wahl hervor: Eigentlich wünschten sich beide Diskussionsteilnehmer eine Vertiefung und Diversifikation des Unterrichts zur deutschen Nachkriegsgeschichte mit einem Schwerpunkt auf der DDR. Aber angesichts des vom Lehrplan vorgegebenen Themenumfangs könne ein solcher Wandel im Geschichtsunterricht nicht stattfinden, solange nicht mehr Stunden zur Verfügung stehen.

Eine lebhafte Publikumsdiskussion, die aus individueller Sicht der Podiumsgäste und der Besucher das Thema des Abends vertiefte, beschloss die gut zweistündige Veranstaltung, zu der rund 200 Besucher in den Ratssaal gekommen waren.

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Petra Giegerich
Leiterin Kommunikation und Presse
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