Konkurrenz, Status, Tradition: Architektur und Baupolitik in den barocken (fürst)bischöflichen Residenzstädten an Rhein und Mosel

7. Februar 2012

Referent: Prof. Dr. Matthias Müller
Institut für Kunstgeschichte
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

In der Vormoderne gehörten Architektur und Stadtplanung zu den wichtigsten Mitteln herrschaftlicher Repräsentation und höfischer Konkurrenz. Umso auffälliger ist es, dass es unter den deutschen Fürsten vor dem Dreißigjährigen Krieg nur wenige Versuche gab, ihre Residenzstädte nach dem Vorbild der vor allem in Rom und Paris entwickelten Standards barocker Planung umzugestalten. Von daher darf der Entschluss des Mainzer Kurfürsten Georg Friedrich von Greiffenklau, 1628 eine groß angelegte Neubaukampagne auf dem Areal seines Mainzer Residenzschlosses zu beginnen, um dieses mit dringend benötigten repräsentativen Wohn- und Zeremonialräumen zu erweitern, als beachtliche Leistung gelten. Doch erst nach dem Ende des Krieges und der neuen Herausforderung, die das absolutistische Frankreich unter Ludwig XIV. auch auf dem Gebiet der höfischen Kultur, des Zeremoniells und der Architektur darstellte, begann nicht nur in Mainz, sondern in ganz Deutschland eine intensive Beschäftigung mit den französischen Vorbildern. Deren Rezeption diente jedoch nicht nur der Konkurrenzfähigkeit gegenüber der französischen Monarchie, sondern ebenso der statuswahrenden und prestigeerzeugenden Konkurrenz der deutschen Fürsten und Fürstbischöfe untereinander. Dieser Vorgang lässt sich sehr anschaulich anhand der barocken Residenzstädte auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz aufzeigen, wo mit den Erzbischöfen von Mainz und Trier zwei der mächtigsten Territorialherren des Alten Reichs auch auf dem Gebiet der architektonischen Gestaltung miteinander konkurrierten.


Der Eintritt ist frei. Anmeldung nicht erforderlich.
Beginn: 20 Uhr
Ort: Rathaus der Landeshauptstadt Mainz, Ratssaal