Lucans Epos vom Bürgerkrieg – eine poetische Anatomie menschlicher Destruktivität

11. März 2013

Referentin: Prof. Dr. Christine Walde
Klassische Philologie

Lucans Bellum Civile (auch Pharsalia genannt, entstanden um 63 n.Chr.) zieht seine nachhaltige Wirkung daraus, dass sein Gegenstand Rom ist, die schönste und 'hyperrealste' Stadt aller Städte, sein Held aber Iulius Caesar, der wahrscheinlich heute noch bekannteste Mensch der griechisch-römischen Antike. Leser aller Zeiten fanden in der Beschreibung des Bürgerkriegs zwischen Caesar und Pompeius (49/48 v.Chr.) aber auch Identifikationsangebote und Ausdrucksmuster vergleichbarer historischer Konflikte und generationenübergreifend vermittelter kollektiver Traumatisierungen. In diesem Vortrag wird der faszinierend-abstoßende antike Text selbst auf seine spezifische und kulturabhängige Form der Verarbeitung und Darstellung einer menschengemachten Katastrophe befragt. Ausgehend von soziologischen Definitionen von 'Gewalt' wird das Bellum Civile gelesen als eine Reflexion über Krieg, Gewalt und die prekäre Natur menschlicher Gesellschaften.

Gerade weil Lucan "Gewalt" in einer kühnen Transformation der vorangehenden epischen Tradition poetisch beschreibt, kann er Dimensionen von Gewalt, Gewaltentstehung und -verarbeitung vorführen, etwa die Einbindung von menschlicher Gewalt in umfassendere Gewaltstrukturen des Kosmos und deren Rhythmen, die ein betroffener Beobachter oder die wissenschaftliche Analyse so nicht wird wahrnehmen können. Durch die Analyse dieses und anderer einschlägiger antiker Texte können auch die Altertumswissenschaften im interdisziplinären Diskurs wesentliche Beiträge zu einer historischen Psychotraumatologie leisten.

Der Eintritt ist frei. Anmeldung nicht erforderlich.
Beginn: 20 Uhr
Ort: Rathaus der Landeshauptstadt Mainz, Ratssaal